Vom Elefanten und der Liebe
Geheiratet wurde in einem Elefanten. Gesehen habe ich trotzdem immer nur einen Teil davon. Vielleicht ist das mit der Liebe gar nicht so anders.
Es gibt diese alte Geschichte von blinden Menschen und einem Elefanten. Keiner von ihnen weiß, was vor ihm steht. Also beginnen sie, das Tier zu ertasten. Einer berührt den Rüssel und beschreibt etwas völlig anderes als derjenige, der ein Bein umfasst. Ein anderer bekommt nur das Ohr zu fassen. Jeder erlebt einen anderen Teil. Jeder hat irgendwie recht. Und trotzdem kann keiner den Elefanten als Ganzes erfassen.
Daran musste ich ausgerechnet bei dieser Hochzeit in Hamm denken.
Geheiratet wurde im Gläsernen Elefanten im Maximilianpark. Und auch ich bekam an diesem Tag nur Teile des Elefanten zu sehen. Meine weiteste Brennweite waren 35 Millimeter. Viel zu lang, um dieses riesige Ding aus der Nähe vollständig aufs Bild zu bekommen. Also gibt es in dieser Geschichte keinen ganzen Elefanten. Nur Ausschnitte.
Vielleicht ist es mit Menschen ähnlich. Vielleicht sogar mit der Liebe.
Wir sehen Blicke. Eine Hand, die nach einer anderen greift. Menschen, die sich umarmen. Nervosität vor der Trauung. Ein Lachen zwischendurch. Familie und Freunde, die denselben Tag erleben und ihn trotzdem alle ein bisschen anders in Erinnerung behalten werden.
Und irgendwo dazwischen stehe ich mit meiner Kamera und sammle meine eigenen kleinen Ausschnitte.
Die Hochzeit von Denise und Tom habe ich vor einigen Jahren fotografiert, mit einer Sony A7R der ersten Generation und alten manuellen Objektiven. Eines davon gehörte meinem Vater. Ich kannte es schon, als ich vier Jahre alt war.
Heute würde ich manches anders fotografieren. Damals musste ich langsamer arbeiten, genauer hinsehen und manchmal akzeptieren, dass ein Moment vorbei war, bevor ich ihn scharfgestellt hatte. Und manchmal auch ein Bild behalten, das nicht perfekt scharf war. Der Wert eines Augenblicks ist größer als der Wert technischer Perfektion.
Jetzt, Jahre später, bin ich noch einmal zu den RAW-Dateien zurückgekehrt und habe die Bilder mit meinem heutigen Blick neu entwickelt. Die Farben, die Kontraste, das Schwarzweiß – vieles sehe ich heute anders.
Die Aufnahmen sind dieselben geblieben. Der Fotograf dahinter nicht.
Was dabei entstanden ist, ist für mich eine kleine Fusion aus zwei Zeiten.
Und vielleicht passt auch das wieder ganz gut zum Elefanten.
Denn 180 Fotografien später habe ich diesen Hochzeitstag noch immer nicht vollständig erfasst.
Aber vielleicht muss man das auch gar nicht.







































