»Wir spielen laut.«

»Wir spielen laut.« Hinter dem Satz stand im Grunde nur ein Punkt. Es klang auch nicht wie eine Warnung, vielmehr wie ein freundlicher Hinweis. Mehr hatte Thomas gar nicht gesagt an diesem typischen grauen Herbstsonntag in Düsseldorf. Und dann ging es auch schon los…ein kleines Konzert nur für mich.

Aber fangen wir am Anfang an…

 

Einige Wochen vor diesem Sonntag bekam ich über facebook eine Anfrage von Thomas Liesen, ob ich Zeit und Lust habe Bandfotos zu machen. Nun ist das nicht gerade der Bereich, in dem ich laufend tätig bin, aber meine Faszination für die Fotografie und die Freude daran neue Wege zu gehen, ließen mich gar nicht anders als zuzusagen. Zudem liebe ich Fotografen wie Anton Corbijn oder Mark Seliger, die das Thema Musik schon mal auf Ihre Art interpretiert haben. 

Aber ein wenig scheu war ich trotzdem irgendwie. Obwohl ich tief im Innern ein Vertrauen hatte, dass ich das hinbekomme. Dafür wurde ich ausgebildet. Jedoch wollte ich das nicht nur hinbekommen, sondern möglichst den Ton treffen. Das Thema Musik ist allerdings sehr sensibel. Musik kann so unendlich viel ausdrücken und über Bilder sagt man immer, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Man muss herausfinden, welche tausend Worte die Band erzählen möchte. Ich musste wissen, wie sich das anhört, bevor ich mir die richtige Bildsprache vorstellen konnte.

So kam es dann, dass wir uns an diesem Herbstsonntag verabredeten. Für die Upsetters eine Bandprobe, für mich eine Fotoprobe. Thomas begrüßt mich herzlich an einer Kreuzung in Vennhausen und wir gehen ein paar Meter weiter in ein Gebäude. Während wir uns unterhalten, gehen wir durch lange schmale Gänge. Alles wirkt irgendwie industriell. Dann macht Thomas eine Tür auf, ich betrete einen kleinen Raum und lerne zum ersten Mal die anderen drei Mitglieder der Upsetters kennen: Uwe Placke, Arnold “Nölle” Rissel, Rolf Kaiberg. Irgendwie bleiben solche Momente immer komisch für mich…dieser erste Moment, wenn man neue Menschen trifft. Aber alle sind sehr freundlich und offen.

Der Raum ist vielleicht vier mal vier Meter groß. Aber durch die ganzen Instrumente, Geräte und Kabel wirkt es auf mich viel kleiner, als wäre man im Innern einer Schachtel. An den Wänden ringsum hängt ein blauer Teppich. Eigentlich alles genau so, wie man sich einen Proberaum vorstellt. 

Während ich mein Equipment bereit mache, machen die Jungs ihr Equipment ebenfalls bereit. Und dann sagt Thomas zu mir: “Wir spielen laut.” Danach wird es tatsächlich laut, aber eben auch unfassbar cool. Die Bässe sitzen richtig tief. Der Raum ist kompakt und Musik fühlt sich anders an. Ich bin in meinem Element. Die Musik der Upsetters liegt wie ein Soundtrack über dem was ich gerade tue. Sie spielen Blues, meinst ihre Stücke. Das einzige Stück, das ich erkenne, ist ihre Interpretation von “Come together”. 

Fotografieren ist manchmal spielerisch. Den richtigen Winkel suchen, Probieren, Experimentieren. Völlige Freiheit zu haben ist ein Luxus, da es selten nichts zu verlieren gibt. Und genau um dieses Gefühl der völligen Freiheit ging es mir. 

Während ich fotografiere, sehe ich wie die Kommunikation zwischen den vier Musikern läuft. Sie spielen immer wieder ihre Stücke und besprechen sich im Anschluss. Während des Spielens, und das ist für mich immer wieder Faszination pur, spielen sie einfach nur. Thomas sitzt sogar mit geschlossenen Augen am Schlagzeug. Aber alles läuft rund.

Nach ungefähr einer Stunde…klinke ich mich aus. Ich verabschiede mich und lasse die Upsetters wieder allein. Ich bin mir sicher, dass ich da was Cooles auf den Filmen habe…

 

Was ich noch so zusammen mit den Upsetters gestalte…demnächst.